Unsere zweite Reise nach Senegal & Gambia vom 25.12.2012 - 15.1.2013

Unsere zweite Reise nach Senegal & Gambia

vom 25.12.2012 - 15.1.2013

 

Die Maschine wurde schon mal beim Hinflug über Madrid zurück nach Frankfurt beordert - technisches Problem. Was für ein Beginn, mulmiges Gefühl! Danach zwei Tage zum Ausruhen in unserem kleinen Bungalow-Hotel nahe Banjul, der Hauptstadt von Gambia.

Freundliche Leute, einige Bekannte, Strand, frischer Speisefisch, Sonnenuntergang.

 

Besuchen Faminteh in Bakau in seinem blauen Atelier, der seine Modelle in der Familie und auf der Straße findet. (Bilder befinden sich in der Ausstellung)

 

In der Nähe in Katchikali malt Mr. Corr mit seiner Maler-Kooperation mit kräftigem Acryl leicht verschobene naive Bilder. (Bilder in der Ausstellung)

 

Die schöne Isha Fofana, noch zu jung, um schon jetzt „Mama Africa“ genannt zu werden, ist international bekannt als Skulptur - Malerei- und Objekt-Künstlerin. Sie lebt und arbeitet mit ihrem deutschen Partner auf einem herrlichen Anwesen mit Pavillons, Gästehütten, Galerie und großem Garten nahe Tanji, nahe der Küste. (Kunstwerke evtl. mal später in unserer Galerie)

 

Etu ist die Entdeckung in Gambia auf dieser Reise (siehe Porträt). Wie viel Kraft und Freundlichkeit, Erzähllust und Humor - alles was sich in seinen kraftvollen Bildern mit pastösem Spachtel-Auftrag in leuchtenden Farben zeigt. (Bilder in der Ausstellung)

Er kaufte für sich und seine Familie den alten Dorfkern von Tujereng. Das Dorf wurde vor 4 Generationen nach einer Fischvergiftung mit vielen Toten von der Bevölkerung verlassen. „Mich inspirierte mein Compound (großer Hof) von Anfang an, er ist meine Leinwand, ansonsten bin ich auch nicht abergläubisch.“

 

Für 10 Tage nach Dakar jenseits des mächtigen Gambia-Rivers. Die tuckernde Diesel-Fähre ist unverantwortlich überladen, es gibt aber nur zwei davon. Danach 5 Stunden durch die Gebüsch-Savanne im uralten Peugeot 504 Strecken-Taxi, 7 Leute + Fahrer in 3 Sitzreihen eingeengt. In der Hitze Wasser trinken und nach Baobab (Affenbrotbäumen) Ausschau halten.

Sofort nach Ankunft in Dakar zum hochmodernen Hafen. Mit der Fähre zur alten Sklaveninsel Goreé, 900  x 300 Meter groß, 1000 Menschen, reinster französischer Kolonialstil, in abgeblasstem Bordeaux-Rot, roter weicher Sand in den Gassen der Insel, überrankt von roter und gelber Bougainvillea, keine Autos, abendliche Stille - bis dann einmal eine Frau aus der Nachbarschaft der Pension in helles afrikanisches Lachen ausbricht.

 

Wir besuchen Constantin („Mr.X“), vielleicht ca. 30 Jahre alt, vielseitig begabt, ein schöner Mann, der der Gemeindeverwaltung von Gorée in dem alten französischen Gouverneurspalast ein Atelier abgeschwatzt hat (Bilder in der Ausstellung).

 

Der Geheimnisvollste von allen ist Cheigh Keita, der mit seiner Familie am südlichsten Abhang von Gorée lebt mit weitem Blick über die breite Einfahrt in den Hafen von Dakar. Seine Vorfahren stammen aus Südost-Mali aus dem Dogonland, mehr als 1.000 km entfernt. Ganz abseits von der Inselbevölkerung lebt er in  seiner kleinen Welt und malt seine Träume und Erinnerungen in aufwendiger Maltechnik über Tage hinweg. Sehr geschätzt bei Künstlerkollegen und bei Kunstkäufern im Ausland.

 

Im Village d‘Art (Künstlerdorf) in der Nähe des Nationalstadion in Dakar befinden sich bis zu 50 Ateliers in einer Siedlung, die einst chinesische Bauarbeiter beherbergte beim Bau des Stadions. Völlig unterschiedliche Mal- und Skulptur-Techniken und in „inspirierender“ Atmosphäre. Wenn man nicht malt und arbeitet, kocht man sich eine Suppe oder Café, hört laute Jazzmusik, erzählt mit Kollegen oder wartet auf der alten Couch auf Inspiration.

 

Wir entdecken die Welt der Récupérage-Künstler, die aus weggeworfenen Industrie- und Konsumartikeln fantasievolle Skulpturen fertigen.

 

Zurück nach Gambia (7 Stunden) gibt unsere Peugeot-Schrott-Beule in der Savanne den Geist auf. Zwanzig Bilder von uns wohl eingepackt auf dem Dachgepäckträger! Uns und unsere Sachen bringen wir durchs dürre Feld zur großen Überland-Piste. Ein vollgestopfter Bus nimmt uns irgendwann noch zusätzlich auf und schaukelt uns zurück nach Gambia. Mehrere Tage Erholung am Strand werden fällig.

 

Maler Etu erledigt mit uns die Luftfracht unserer Bilder nach Frankfurt.

Vieles wurde sicherlich in unserem Bericht weggelassen - die wundervollen Menschen, freundlich zumeist, wie wir es hier so selten noch kennen, die Farben, das afrikanische von tief innen herkommende Lachen, die Musik,- aber die Augen schließen sich nicht vor dem Plastikmüll, der die Felder und das Meer bedroht, es kommt auch zu beklommen machenden Gedanken über Gerechtigkeit, Chancen-Ausgleich und die Zukunft?

 

Doch eine noch schwache und unausgereifte Idee bringen wir mit von der Reise nach Hause:

Fairer Handel wäre vielleicht ein Weg. In unserem Beispiel: Künstler aus Afrika - als Produzenten - schaffen Güter (Kunstwerke), die wir auf eigenes Risiko einkaufen und in unserer Ausstellung verkaufen, damit „unsere“ Künstler ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Das würde etwas mit gleicher Augenhöhe und akzeptablem Ausgleich zu tun haben.